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Wie kommt man an eine Ape?

Zwei, oder vielmehr drei Leute außer mir waren maßgeblich daran beteiligt, dass ich eine Ape bekam.
Erstens meine Freundin Elisabeth, die lebt seit etwa 30 Jahren in der Toskana bei Monterotondo Marrittimo in einem 150 Jahre alten Bauernhaus und bewirtschaftet dort etwa 300 Olivenbäume, macht ein supertolles Olivenöl, hat einen eigenen Weinberg für einen tollen Rotwein, und sie brennt einen phantastischen Grappa.
Außerdem vermietet sie Zimmer für Ferien auf dem Bauernhof in einer ganz urigen Landschaft und Atmosphäre.
Dann ist da mein Freund Ulli, begnadeter Informatiker und, wie ich, ein Träumer mit viel Phantasie und den schönen und angenehmen Dingen des Lebens, wie Essen und Trinken und so weiter zugewandt.

Und schließlich und nicht zuletzt die beste aller Ehefrauen, die die letzten 33 Jahre meines Lebens mit mir verbracht hat, und als Bergmannsfrau und Motorradgattin ab und zu nach dem Motto: lerne leiden, ohne zu klagen, mir fast jeden Wunsch erfüllt hat.
Eigentlich wollte ich gar keine Ape; ich hatte immer davon geträumt, mir irgendwann aus Frankreich eine alte Kastenente zum Restaurieren zu besorgen, oder, was mein Absolutes Traumauto wäre, einen alten Zweitakt Framo LKW aus der ehemaligen DDR. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.


Irgendwann im Frühjahr 2008 rief Elisabeth bei mir an, ob ich nicht jemanden kennen würde, der ihren alten Vesparoller wieder zum Laufen bringen und durch den italienischen TÜV bringen könne. Außerdem suche sie jemanden, der ihr helfen könne, einen kleinen Faltprospekt, neudeutsch Flyer genannt, zu entwickeln, um ihre Ferienzimmervermietung etwas besser vermarkten zu können.
Klar, Vespa kann ich, und Flyer kann mein Ulli, sogar professionell mit Fotos und Text und allem Drum und Dran. Also brachen wir beide im schönsten Sommermonat Juli aus unserem Vorruhestandstrott aus und auf in die Toskana.



Roller und Flyer waren kein großes Problem, waren bald erledigt, aber dann ging es los bei Ulli: wie wir beide so im offenen Cabrio durch die Toskana fuhren, so auf Ausflügen nach Siena oder Massa Marrittima, fing er an zu jammern: guck mal, Ape hier und Ape da, und wie toll das wär, wenn man eine zu Hause in Deutschland hätte, damit kann man zum Baumarkt fahren, und Zement oder Steine oder Blumenerde holen, oder man braucht keinen Anhänger mehr zu leihen, um den Grünschnitt zur Kippe zu bringen, und man hätte die Schau drin, wenn man samstagmorgens mit dem Ding zu Kaufland zum Einkaufen führe und überhaupt, und so weiter und so weiter. War kaum auszuhalten, und so nach und nach hat er mich auch mit angesteckt. Und da stand wieder eine, und da fuhr eine und da waren die Opas am Boule spielen (oder heißt das in Italien Boccia?) und da standen dann gleich drei von den Dingern rum.
Und natürlich auch Elisabeth ganz verrückt gemacht: guck doch mal, ob du nicht so ein Ding findest, muss auch nicht mehr toll aussehen, wird dann restauriert.

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Nach fünf Tagen Freiheit in der Toskana mussten wir beide wieder nach Hause zu unseren besseren Hälften und es wurde erst mal ruhig um das Thema Ape und irgendwann im Spätherbst ging Ulli dann in sein alljährliches Winterexil nach Teneriffa.
Irgendwann um Weihnachten herum telefonierten Elisabeth und ich mal wieder, so wie wir es öfters tun und so ganz beiläufig erzählt sie dann: „Ich glaub, ich habe eine Ape für den Ulli.
Einer meiner Nachbarn, der ist schon über 80, der hat vor einigen Jahren mit dem Fahren aufgehört und hat seine Ape auf dem Gutshof ganz hinten in einer kleinen Scheune abgestellt und er will mit dem Ding nichts mehr zu tun haben. Was das für eine ist, weiß ich nicht, ob es noch Papiere gibt, weiß ich auch nicht.“
Das war mir in dem Moment auch egal. Sofort zuschlagen und erst danach nachdenken ist in so einem Falle meine typische Reaktion. Elisabeth wurde gebeten, die Ape für uns sicherzustellen und anschließend sofort eine E-Mail nach Teneriffa geschickt: Hallo Ulli, du hast eine Ape, wir müssen die nur noch abholen, und frag schon mal deine Frau; die Uschi, wo du denn bitte bei dir zu Hause in Zukunft die Ape unter- oder abstellen kannst.
Uschi`s Reaktion war mir von vorne herein klar: wag es nicht, mit so einem Ding zu Hause aufzutauchen, wir haben für so einen Quatsch kein Geld und was sollen die Nachbarn denken und so weiter und so weiter.
Also war klar: diese Ape wird meine!

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Ende März 2009 war es dann so weit: ich fuhr mit mehreren Kollegen zum Motorradfahren in die Toskana zur Elisabeth. Und bei dieser Gelegenheit sah ich sie zum ersten Mal: meine Ape,in einem halb zugewucherten Schuppen ganz am Ende der Azienda Agricola (Gutshof) Veccienne in Sasso Pisano.
Lacht mich nicht aus: es war so was wie Liebe auf den ersten Blick, wie sie da stand, total eingestaubt, im Führerhaus noch die Lesebrille vom Vorbesitzer und ein Kruzifix am Rückspiegel, olivgrün, den Rost am Boden konnte man bei dem schummerigen Licht nicht sehen, sie war komplett, hatte eine Pritsche, die so lang ist, dass man darauf auch mal lang ausgestreckt schlafen kann, der Motor drehte, wenn man an ihr schob, was will man mehr? Sie war noch eine mit dem älteren runden Führerhaus und keine kleine mit 50ccm. Erste Fotos gemacht, um sie überhaupt identifizieren zu können. Inzwischen weiß ich wenigstens, dass es eine MP oder MPV 600 aus dem Anfang der Siebziger Jahre ist. Und sie war umsonst!
Mitnehmen konnten wir sie nicht, weil unser Transportanhänger schon mit den Motorrädern ausgelastet war.
Wieder zu Hause habe ich meiner Liebsten in den höchsten Tönen vorgeschwärmt, was man mit so einer Ape alles machen kann (siehe Ulli), und, meine Christa hat keine Berührungsängste, sie hat auch Spaß an dem Ding. Bei uns darf sie überall rumstehen, was die Nachbarn denken, ist uns sch…egal und wir werden mit dem Ding auch einkaufen fahren.


Außerdem gibt es in der Nähe von der Elisabeth, in Castelnuovo di Val di Cecina einen riesigen Schrottplatz und Trödel- und Antiquitätenladen, wo man für kleines Geld alte Möbel zum restaurieren kaufen kann. Das war natürlich noch mehr Anreiz für meine Christa, mit mir Ende Juni nach Italien zu fahren.
Aus einem Piaggio Prospekt hatte ich mittlerweile Radstand und Spurweite, sowie das ungefähre Leergewicht meiner Ape entnommen mit dem Ergebnis: sie passt sowohl von den Abmessungen, wie auch vom Gewicht auf meinen selbstgebauten Motorradtransportanhänger, und auch unser Suzuki Cabrio darf so eine Last ziehen.
Auf dem Gutshof Veccienne, als wir die Ape abholen wollten, dann der Schock: quer vor der Einfahrt zur Scheune hatten am Morgen, bevor wir kamen, Bauarbeiter einen etwa 1m tiefen und 1,5m breiten Graben zur Kanalisation gezogen.
Und dann unsere eigene Blödheit: wie das im Stress so passiert, haben wir kein einziges Foto von der Aktion geschossen! Ich kann also das ganze Drama nur mit Worten schildern.
Gerüstbohlen besorgen, eine Brücke über den Graben bauen, die so stabil ist, das sowohl mein Auto wie auch die Ape darüber passen, das Scheunentor aufhebeln, die Ape von Müll und Gerümpel auf der Ladefläche und im Führerhaus befreien, das Cabrio rückwärts über den Graben rangieren, um mit einem Seil die Ape mit den schleifenden Bremsen und den platten Reifen aus der Scheune zu zerren, (wo schlägt man an der Ape ein Abschleppseil an, ohne edle Teile zu beschädigen oder abzureißen?), dann das „Ding“ über den Graben ziehen, ohne einzubrechen, und anschließend von Hand auf den Anhänger schleppen. Die ganze Aktion mit mir und den beiden Frauensleuten hat etwa zwei Stunden gedauert und bestimmt drei Liter Schweiß gekostet. Aber ich glaube, es war die Mühe wert.
Am nächsten Morgen noch 50 Euro für die Enkelkinder des Vorbesitzers gespendet und dann ging`s ab nach Hause.
Das Auto lief gut mit der ungewohnten Last auf dem Anhänger; auf gerader Strecke war mit dem nur 68 PS starken Zugwagen immerhin eine Dauergeschwindigkeit zwischen 100 bis 110 kmh möglich und auch die Steigungen in den apuanischen Alpen zwischen La Spezia und Parma sowie die Fahrt durch die Schweizer Alpen und durch den Gotthardtunnel waren kein Problem. Sorgen bereiteten mir die beiden Grenzübergänge von Italien in die Schweiz, einem Land ausserhalb der EU, mit einem Fahrzeug auf dem Anhänger ohne Papiere, Kaufvertrag oder irgendeinen Eigentumsnachweis, sowie aus der Schweiz nach Deutschland mit seinen Bürokraten. Aber an beiden Grenzübergängen nur Zöllner und Polizisten, die vor Staunen oder Begeisterung den Mund nicht zu bekamen und uns nur einfach durchgewunken haben.
Nach einer Zwischenübernachtung in Basel kamen wir dann nach 1230km zu Hause in Kamen im Ruhrgebiet an.

Im Winter wurde die Ape restauriert und ihrem zweiten Leben zugeführt.

Und wenn ihr mal bei der Elisabeth in der Toskana einen urigen Urlaub machen wollt, oder ganz tolles Olivenöl probieren möchtet oder selbstgekelterten Wein oder eine Ape braucht.

Ruft mich an oder schreibt mir, ich geb euch die Adresse.


Aktualisiert am 18.12.2017
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